21.04.2017
Kategorie: Aktuelles

Spielzeugfreie Zeit

April 2017


Die spielzeugfreie Zeit im Teeschlösschen

Stundenlanges Spielen ohne vorgefertigtes Spielzeug wie Bausteine, Barbies und extra für Kinder entwickelte batteriebetriebene Minicomputer im Kinderzimmer oder einfach nur Spielen in der Natur- ja, irgendwie hat diese Vorstellung übertrieben gesehen einen Touch aus der Zeit von schwarz-weiß Filmen und somit ein Hauch von Nostalgie.

Spielzeugfreie Zeit - Spielzeit ohne Spielzeug, gerade heutzutage für viele Kinder eine unvorstellbare Situation. Dennoch wurde das Spielzeug im Teeschlösschen für einige Zeit in den "Urlaub" geschickt. Der Grund für diese "kinderunfreundliche" Entscheidung: eine spielzeugfreie Zeit stellt eine wichtige Säule im Kindergartenalltag dar und gibt den Kindern unter anderen neue Impulse, stärkt das Miteinander in Kleingruppen, fordert die Kinder heraus, verhilft zu konzentrierten Spielen und sie lernen ihre eigenen Bedürfnisse kennen. Der spielzeugfreie Raum wird zum Selbsterprobungsraum, ohne jeglichen Impulse durch die Erwachsenen oder durch die unendlich weite Konsumwelt. Das Kind steht mit seinen Fähigkeiten und seinem Ideenreichtum voll und ganz im Mittelpunkt. Ganz provokant gesagt ist das Spielen mit Spielzeug als Fertigprodukt der erste Schritt in Richtung Suchtgefahr. Immer mehr, immer größer, immer bunter - die Gesellschaft lebt es uns und vor allem unseren Kindern vor. Und wenn wir mal ehrlich sind, es ist ja auch einfacher und schöner mit einem "Fertigprodukt" zu spielen, wie mit ein paar Steinen oder Klopapierrollen. Und genau das ist unser Ziel: die Fantasie und Kreativität der Kinder anzuregen, ein Natur- und Umweltbewusstsein bei den Kindern zu entwickeln. Das Sozialverhalten und die Kommunikationsfähigkeit der Kids werden dadurch gefördert, dass Bedürfnisse wahrgenommen und die Kinder zum Beziehungsaufbau befähigt werden. Des Weiteren erfahren sie sich selbst und ihre Frustrationstoleranz, sowie Konfliktfähigkeit kennen. Das zur Theorie, doch wie schaut es mit der Praxis aus? Nachdem wir uns im Team für die spielzeugfreie Zeit und die Durchführung entschieden haben, stand die Frage im Raum, wann der beste Zeitpunkt ist. Da es sich um einen Verzicht von etwas Geliebten handelt, konnten wir mit den Kindern doch gleich die diesjährige Fastenzeit thematisieren. Weitere Fragen diesbezüglich: was geht in den Urlaub? Was bleibt? Was stellen wir an kostenlosen Materialien zur Verfügung? Wie können wir mit den Eltern in Austausch gehen?
Mit diesen Fragen und für uns die richtigen Antworten gestalteten wir mit Ihnen, liebe Eltern, thematisch ein Elternabend, der die Gründe und Vorgehensweisen aufzeigte.
Und dann lag der wohl härteste Meilenstein vor uns - die Kinder mit ins Boot mit der Aufschrift "spielzeugfreie Zeit" zu holen. Zusammen mit den Kindern entschieden wir im Morgenkreis auf welches Spielzeug wir verzichten möchten und schickten es auf den Dachboden in den "Urlaub". Wichtig war es uns, dass wir die Kinder über das Projekt ausgiebig aufklären und es für sie ein positives Erlebnis ist.
Das Fazit der spielzeugfreien Zeit ist unter anderem auch, dass Spielzeug nicht automatisch schlecht für die Entwicklung, die Kreativität oder die Selbstständigkeit der Kinder ist, aber die Überhäufung dessen im Alltag des Kindes.
Dieses Projekt hat den Kindern und auch uns ErzieherInnen sehr viel Spaß gemacht. Manches Kind haben wir noch einmal „neu“ kennengelernt.
Wir werden dieses Projekt bestimmt wiederholen.


Spielzeugfrei